Es ist nichts Ungewöhnliches, dass sich in Neuseeland Herr der Ringe Fans beim Reisen „outen“. Viele Möchtegern-Bewohner von Mittelerde reisen sogar gezielt ans andere Ende der Welt, um in Neuseeland Herr der Ringe Drehorte abzuklappern. Auf den Spuren der Hobbits ist Hobbiton jedoch sicherlich ein absolutes Highlight.

Matamata, der Herr der Ringe und der kleine Hobbit

Hobbiton – oder auch Hobbingen, wie es im Deutschen genannt wird – befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Matamata, einer ansonsten ziemlich unscheinbaren kleinen Stadt. Matamata stammt aus der Sprache der Maori und bedeutet so viel wie „Landzunge“. Das Wort hat jedoch nichts mit Mata mata, einer südamerikanischen Süßwasserschildkröte, zu tun. Möchtest Du etwas mehr über die Geschichte von Matamata erfahren, hilft Dir dieser kurze Eintrag aus der Enzyklopädie von Neuseeland weiter.

Der Weg zum Startpunkt der Hobbiton Movie Set Tour führt durch grünes Farmland. Vorbei an saftigen Wiesen verläuft die schmale Straße durch die hügelige Landschaft. Unzählige Schafe gehen unbeeindruckt ihrer kauenden Beschäftigung nach und lassen sich nicht durch vorbeifahrende Autos beirren. Allein dieses Bild erinnerte mich schon an Auenland-Szenen aus den beiden Trilogien Herr der Ringe und Der Hobbit.

Während die Besitzer der Farm, auf der Hobbiton erbaut wurde, über das Filmset ein ansehnliches Nebenverdienst erhalten, nutzen auch die Farmen auf dem Weg zum Set den Touristenstrom als zusätzliche Einnahmequelle. Keine fünf Minuten vom Set entfernt erlaubt ein Farmer Campern und Backpackern für eine kleine Gebühr auf seinem Grundstück ihr Nachtlager aufzuschlagen. Dort hatte auch ich meine Nacht verbracht, um möglichst früh vor Ort zu sein.

Die Hobbiton Movie Set Tour

Als ich in die Einfahrt des Parkplatzes zur Movie Set Tour einbog, war es nicht mehr zu leugnen. Ich hatte Mittelerde gefunden!

Die Tourbusse standen schon bereit, ihre erste Lieferung nach Hobbiton zu karren. Im 30-Minuten-Takt fahren die Busse jede Gruppe von morgens 8:30 Uhr bis Nachmittags 15:30 Uhr einzeln nach Hobbiton. In der Hochsaison ist das Set sogar um eine bzw. zeitweise sogar um zwei Stunden länger geöffnet. 79 NZD (etwas mehr als 50 Euro) kostet der Spaß pro Person. Willst Du Dir rechtzeitig vorher einen Platz sichern, kannst Du Dein Ticket hier buchen. Jedoch gibt es durchaus Möglichkeiten günstiger an die Tickets dranzukommen. (Übrigens gibt es neben der „Movie Set Tour“ noch weitere andere Gebote auf der verlinkten Webseite.)

Obwohl ich verhältnismäßig früh auf den Beinen war, war ich längst nicht mehr der Erste an der Hobbit-Attraktion. Trotzdem konnte ich noch ein Ticket für die zweite Tour des Tages ergattern.

Über die Tour

Auf der kurzen Fahrt von der Verkaufsstelle der Tickets bis zum Startpunkt der eigentlichen Tour lief ein Begrüßungsvideo, das die Gruppe auf das Set einstimmte. Hunderte von Schafen weideten auf den umliegenden Wiesen und vereinzelte Ausreißer beäugten verunsichert den vorbeifahrenden Bus.

Unser Guide – ein junger Kiwi – übernahm die Führung. Während wir an Hobbit-Höhlen vorbeigingen, am Partybaum direkt beim See Halt machten, durch Gärten hindurch schlenderten und über die Brücke an der Mühle stapften, versorgte uns unser Guide mit etlichen Hintergrundinformationen. Zudem gab es viele Gelegenheiten Fotos zu schießen.

Ich war vor allem von der Liebe zum Detail beeindruckt. Die kleinen Accessoires hier und da belebten die Szene. Ich hatte das Gefühl mich in einer anderen Welt zu befinden, welche trotz der fehlenden Bewohner sehr lebendig wirkte.

Im Green Dragon, der lokalen Hobbit-Taverne, erwartete uns zum Abschluss eine kleine Erfrischung. Unter anderem gab es neben alkoholhaltigen Getränken auch kühles Ginger Beer zur Auswahl, für welches ich mich entschied. Nach der Tour in der Hitze der Sonne tat das richtig gut! Auch hier war die Liebe zum Detail allgegenwärtig. Ich wartete schon beinahe darauf, dass jeden Augenblick ein Held aus Mittelerde um die Ecke bog und sich ein kühles Ale bestellte, um anschließend am Kaminfeuer von seinen abenteuerlichen Reisen zu berichten.

Als Tolkien-Fan in Neuseeland

Da ich sowohl Der kleine Hobbit* als auch Herr der Ringe* gelesen und beide Verfilmungen mehrmals gesehen habe, sehe ich mich tendenziell schon als Fan von J.R.R. Tolkien an. Daher hatte ich durchaus ein gewisses Interesse an den Hintergründen der Dreharbeiten und den entsprechenden Kulissen. Mein Interesse war allerdings nicht so groß, als dass ich deswegen tatsächlich alle Drehorte abklappern musste.

Es gibt meines Wissens nach sogar Touren, die in Neuseeland Herr der Ringe Rundreisen anbieten. Auf meiner Rundreise in Neuseeland habe ich diesbezüglich nur mitgenommen, was ohnehin auf dem Weg lag. Aber das Original Filmset zu Hobbiton wollte ich schon gesehen haben.

Das Neuseeland Herr der Ringe Filmset

Auf der Suche nach einer geeigneten Kulisse für die Auenland-Szenen stieß Peter Jackson im Jahr 1998 bei einem Helikopterflug durch Zufall auf die Farm, auf der heute Hobbiton gelegen ist. Ausschlaggebend war die Suche nach einem großen Partybaum – einer Pinie – am See gewesen. Die Farm der Familie Alexander bot darüberhinaus aber auch alles andere, was Jacksons Herz für sein Set benötigt hatte. Zwar hatte Jackson bereits andere Orte für seine Dreharbeiten zum Auenland ausfindig gemacht, doch verwarf er diese auf Grund der Möglichkeiten auf der Alexander-Farm wieder.

Von außen war das Set nicht einzusehen und vom Set aus gesehen gab es keine störenden Straßen, Häuser oder sonstigen Anzeichen moderner Zivilisation. Inmitten der Farm lag ein kleiner See in einer Senke, die von Hügeln umgeben war. Hobbit-Behausungen ließen sich in Form von Höhlen in die Hügel graben. Und am Ufer des Sees stand die ideale Pinie. Jackson hatte Glück gehabt. Er konnte alles Szenen am selben Ort drehen ohne auf andere Sets ausweichen zu müssen.

Die Alexander-Farm war seit 1978 im Familienbesitz und erzielte bis zum damaligen Zeitpunkt ihre Haupteinnahmen über den Vertrieb von Wolle, Schaf- und Rindfleisch. Etwa 13.000 Schafe und 300 Rinder bildeten dabei die Lebensgrundlage.

Der Aufbau des Hobbiton-Sets

Für die Auenland-Szenen der Trilogie Herr der Ringe baute ein Team die Farm innerhalb von neun Monaten um. Sogar das neuseeländische Militär unterstützte die Arbeiten durch den Bau der Straße, die auch heute noch zum Set führt.

Für die erste Filmreihe wurden die Hobbit-Höhlen (insgesamt 37 an der Zahl) noch aus Styropor und Sperrholz gefertigt. Die Mühle und die Brücke daneben wurden ebenfalls innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft. Das Team legte Gärten an und pflanzte Büsche und Bäume an. Eine Reihe von Bäumen hatte jedoch nicht die richtige Blattform für die geplanten Aufnahmen, weshalb Peter Jackson aus Taiwan künstliches Laub importieren ließ. Studenten zupften an den betroffenen Bäumen jedes einzelne Blatt ab und knoteten im Anschluss die künstlichen Blätter in Handarbeit an die Äste.

Eine fast 30 Tonnen schwere Eiche wurde über Beutelsend aufgestellt. Hierzu wurde eine Eiche aus der Umgebung zerlegt und anschließend wieder zusammengesetzt.

Trotz der vielen Schafe, die es bereits auf der Alexander-Farm gab, durfte nur ein einziges hauseigenes Schaf im Film mitspielen. Für Peter Jackson waren die hiesigen Schafe zu modern. Aus diesem Grund ließ er aus England Tiere einer anderen Rasse einfliegen, die eher seinen Vorstellungen entsprach.

Während der Dreharbeiten waren bis zu 400 Menschen vor Ort am Set. Das stellte das Team vor die Herausforderung für eine angemessene Verpflegung, sowie ausreichend Strom und Wasser zu sorgen.

Die Dreharbeiten zu „Herr der Ringe“

Damit die Hobbits tatsächlich so klein wirken, wie sie im Film erscheinen, machte sich Jackson filmische Tricks wie optische Täuschungen zu nutze. Gandalf wurde beispielsweise nur vor kleinen Hobbit-Behausungen gefilmt, während Hobbits vor großen Höhlen posieren durften. So entstand der Eindruck des Größenunterschieds.

Insgesamt dauerten die Dreharbeiten drei Monate und wurden unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt. Innenszenen drehte das Team allerdings in einem Studio in Wellington.

Das Ende von Hobbiton

Nach dem Abschluss der Dreharbeiten zu Herr der Ringe begann wie vereinbart der Abriss des Sets. Der Green Dragon war für eine der Szenen ohnehin schon in Schutt und Asche aufgegangen. Ein tagelang anhaltender Dauerregen verzögerte auf Grund von Sicherheitsrisiken das Vorhaben, so dass der Abriss vertagt werden musste.

Obwohl nicht jeder Kiwi in Neuseeland Herr der Ringe Fan ist, verbreitete sich durch Mundpropaganda in der Zwischenzeit die Kunde von Hobbiton. Mehr und mehr Menschen besuchten das Set, auch wenn nur noch 15 der ehemals 37 Höhlen übrig geblieben waren. Auch wenn vom ursprünglichen Glanz der kleinen Siedlung nicht mehr viel übrig geblieben war, entstand daraus ein beliebtes Touristenziel.

Der Wiederaufbau des Sets für „Der Hobbit“

Für Der Hobbit musste ein neues Set her. Also baute Peter Jackson die Hobbit-Siedlung wieder auf.

Dieses Mal bestand die Familie Alexander allerdings darauf, Materialien aus echtem Holz, Glas und Stein zu verwenden. Ein richtiges Hobbiton zum Anfassen ist eben doch noch attraktiver als eine Fassade aus Sperrholz, Pappmaschee und Styropor… Und lässt sich entsprechend besser vermarkten.

Lediglich die große Eiche über Beutelsend ist zu hundert Prozent künstlich. Ein Drahtgestell hält das Konstrukt aus Kunststoff zusammen. Insgesamt wurden über 200.000 Blätter in kleinlicher Handarbeit an den Ästen befestigt, um dem Baum seine Gestalt zu geben.

Ursprünglich sollten in der neuen Trilogie weitere Höhlen gezeigt werden. Allerdings drehte Peter Jackson diese Szenen letzten Endes doch nicht ab. Die 7 zusätzlichen Hobbit-Höhlen sind seither ein exklusiver Bestandteil für Besucher der Tour. Da wie bereits erwähnt die Innenszenen in einem Studio entstanden sind, sind die Höhlen nicht ausgebaut und größtenteils nicht zugänglich. Trotzdem gibt es vereinzelte Höhlen, zu denen sich zumindest die Türe öffnen lässt.

Die einzige Behausung, die ein vollständiges Innenleben aufweist, ist der Green Dragon. Farmer haben die Taverne wieder aufgebaut und dem Film nachempfunden. Für die Touristen bildet sie mit dem Erfrischungsgetränk die Endstation der Tour.

Gärtner hegen und pflegen nach wie vor die Gartenanlagen von Hobbiton. Die Behausungen und Höhlen werden ebenfalls in Schuss gehalten.

Mein Eindruck

Für mich hat sich der Ausflug ins Auenland in Mittelerde auf jeden Fall gelohnt. Ich hatte mir ein paar Wochen später nochmals beide Trilogien angesehen und sofort einen anderen Bezug dazu. Falls Du zu den Herr der Ringe Fans gehörst, ist Hobbiton aka Hobbingen schon fast ein Muss. Während ich in die Szenen zum Auenland eintauchte, hatte ich das Gefühl selbst im Film mitzuspielen. Immerhin kannte ich die Wege, auf denen Bilbo, Frodo und Gandalf gewandert waren, nun auch persönlich.

Aber auch wenn Du kein Anhänger Tolkiens oder der Verfilmung seiner Werke bist, ist Hobbiton einen Besuch wert. Sofern Du Dich allgemein für Filmproduktionen und deren Tricks mit den Kulissen dahinter interessierst, wirst Du Dich nicht langweilen.

***

Erzähle mir doch in den Kommentaren wie Dir Hobbiton gefallen hat. Warst Du noch nicht dort, hoffe ich, dass dieser Artikel Dich zumindest neugierig gemacht hat. 

Zufrieden mit dem Verlauf der ersten Hälfte des Tages, machte ich mich auf den Weg nach Waihi. Dort wartete die größte Gold- und Silbermine Neuseelands auf mich. Die Martha Mine.

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Ich sehe mit Erstaunen, dass sich das Filmset seit unserem Besuch 2011 (kurz vor Beginn der Dreharbeiten zum „Hobbit“) doch um Einiges verändert hat. Die Touristenmassen gefallen mir ja nicht so – wobei es mich natürlich für die Familie Alexander sehr freut, die sitzen ja jetzt quasi in einer Geldbadewanne 😉
    Hast du Mr Ian Alexander noch getroffen? Wir fanden ihn unheimlich sympathisch, wie er mit seinem schlammigen Quadbike einfach mal auf dem Gelände vorbeischaute…

    LG
    Jenny

    Antworten
    • Liebe Jenny,

      leider habe ich Mr. Ian Alexander nicht persönlich getroffen, sondern nur über das Begrüßungsvideo im Bus kennengelernt… Vermutlich hat sich der Touristenstrom seit eurem Besuch auch nochmals um einen gewissen Anteil erhöht, so dass er nicht alle 30 Minuten die neuen Besucher persönlich willkommen heißen kann. 😉

      Ich bin ein wenig zwiegespalten was Touristenmassen anbelangt.

      Natürlich leben viele Länder vom Tourismus und als Reiseblogger regen wir gewissermaßen Menschen dazu an auf Reisen zu gehen. Zudem ist es auch verständlich, dass wir wenn wir schon einmal in einem Land sind in der Regel auch die Top-Highlights des Landes persönlich aufsuchen und nicht nur über die Einträge eines Reiseblogs im Internet erkunden wollen.

      Andererseits ist es jedoch so, dass der Tourismus auf Grund von Rücksichtslosigkeit und Unverständnis oder Unwissen dauerhaften Schaden an Kultur, Umwelt und Natur verursacht. Auch wünscht man sich als Tourist das Highlight möglichst ohne andere (störende) Touristen erkunden zu können, um die Atmosphäre auf sich wirken lassen oder das perfekte Bild mit nach Hause nehmen zu können. Das lässt sich logischerweise oftmals schwer miteinander vereinen.

      Diesbezüglich stellt sich mir regelmäßig die Frage, ob ich als Reiseblogger die wenigen einsamen und ruhigen Perlen die ich unterwegs finde tatsächlich der breiten Masse feilbieten sollte. Schließlich führt das nur zu mehr Touristenmassen am entsprechenden Ziel und der einstige Zauber, den man dort selbst noch erleben durfte verfliegt.

      LG Thomas

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