Projekt X – Löffelliste des Sprachenlernens

Es gibt sicher auch bei Dir immer wieder einmal Phasen in Deinem Leben, in denen Du planlos von einem Tag zum nächsten lebst. Das ist schön und gut. Hin und wieder brauchen wir das. Aber um erfolgreich voranzukommen, müssen wir uns Ziele im Leben setzen, die uns daran erinnern, was wir eigentlich erreichen oder werden wollen. Diese Ziele können sich natürlich ändern, wie sich auch mit jedem neuen Tag unsere Prioritäten ändern können. Dennoch helfen definierte Ziele uns, sich zu fokussieren. Also warum auch nicht? Heute gehe ich es an! Ich denke, am besten macht man daraus ein Projekt. Ich nenne es der Einfachheit halber Projekt X! Warum das X, ist Dir vermutlich schon klar. Im Titel steht aber etwas von Löffelliste. Was zur Hölle meine ich mit Löffelliste?!

Was ist eine Löffelliste?

Vielleicht kennst Du den Begriff Löffelliste aus dem großartigen Film „Das Beste kommt zum Schluss“, der 2007 in den Kinos zu sehen war. In diesem Film geht es um zwei grundverschiedene Menschen, deren Zeit auf Erden auf Grund eines Krebsleidens begrenzt ist. Sie erstellen eine Liste mit all den Dingen, die sie noch während ihres Lebens erleben wollten, ehe sie den Löffel abgeben. Die sogenannte Löffelliste. Im Originaltitel heißt der Film übrigens „The Bucket List“. Denn im Englischen wird nicht der Löffel abgegeben, wenn man stirbt, sondern der Eimer getreten (‚kick the bucket‚). Schon interessant, welch unterschiedliche Bilder in Euphemismen verschiedener Sprachen zur Umschreibung herangezogen werden.

Auch ich habe noch Träume und möchte gewisse Dinge in meinem Leben erreichen oder erleben, ehe ich den Löffel abgebe. Schließlich machen Träume das Leben doch erst so richtig lebenswert, oder nicht?

Und Projekt X?

Der eine oder andere meiner ehemaligen Studierenden, die ich während meiner Zeit als Studiengangskoordinator und Doktorand kennenlernen durfte, dürfte sich dabei vermutlich ein Schmunzeln nicht verkneifen können. Bei ihnen ging es unter dem Begriff Projekt X um eine Verlängerung ihres Studiums über die Regelstudienzeit. Für mich geht das vollkommen in Ordnung. Statt den von der Studienordnung vorgegebenen 8 Semestern, peilen diese Kandidaten 10 Studiensemester an, um ihre studentische Laufbahn an der Universität abzuschließen. Es ist naheliegend, dass das X für die lateinische Zahl 10 steht.

Einigen fehlt heutzutage das eine Jahr, das ihnen durch die vielerorts verkürzte Schulzeit genommen wird. Dieses ist meiner Meinung nach wichtig, um sich zu orientieren und klar zu werden, was man eigentlich einmal aus seinem Leben machen will, oder um einfach einmal das Leben zu genießen. Mir ist dabei bewusst, dass es durchaus junge Menschen gibt, die bereits zu diesem Zeitpunkt genau wissen, wozu sie berufen sind und schnurstracks darauf hinarbeiten. Das finde ich Klasse!

Für die meisten anderen scheinen jedoch nach dem abgeschlossenen Studium die Weichen schon gestellt. Die Bahnen, in denen ihr Leben von nun an verläuft, scheint schicksalhaft vorgegeben zu sein. Aber manche schaffen den erneuten Sprung ins kalte Wasser doch. Nur wenige sind mutig genug, sich entgegen den konservativen Grundsätzen unserer Gesellschaft vollkommen neu zu orientieren und einen anderen Weg einzuschlagen, wenn sie merken, dass sie mit ihrer Berufswahl nicht glücklich sind. Natürlich erfordert dieser Schritt jede Menge Selbstüberwindung und einen starken Willen sich gegen das Unverständnis seiner Umgebung zu behaupten. Und doch… Und ich schweife schon wieder ab…

Jedenfalls hat mir der Begriff Projekt X irgendwie so gut gefallen, dass ich ihn in diesem Zusammenhang wieder aufgegriffen habe.

Sprachen lernen…

Bei meinem Projekt X geht es auch um die Zahl 10. Im Unterschied zu oben genanntem Projekt X nehme ich mir jedoch vor 10 verschiedene Sprachen zu lernen. Vermutlich ist das erste, was Dir jetzt durch den Kopf schießt: „10 verschiedene Sprachen???? Hast Du ’nen Knall?“ – Vermutlich. Ja, aber warum denn nicht? Wenn nichts draus wird, habe ich es immerhin probiert und bin um viele Erfahrungen reicher.

Und sei doch mal ehrlich. Irgendwie ist der Gedanke doch cool Dich mit einem Großteil der Weltbevölkerung in einer ihr vertrauten Sprache unterhalten zu können. Am besten steigst Du gleich mit ein!

… kannst Du auch

Jetzt sag aber nicht, „mir fehlt das Talent“ oder „ich bin sprachlich unbegabt“. Das sind Ausflüchte. Die zählen bei mir nicht. Klar, kann man Talent für Sprachen haben oder nicht. Aber so weit mir bekannt ist, macht dieses Talent 5 % des Prozesses aus. Im Konkreten heißt das: Bist du gewillt und motiviert, ein wenig diszipliniert und fleißig, machst Du dieses bisschen Talent locker wett und kannst sofort durchstarten.

Hast Du Dir meine Ausführungen in meinem Artikel Lerne Sprachen – Verschaffe Dir den Vorteil Englisch zu sprechen durchgelesen? Du wirst feststellen, dass man bei mir sicher nicht von Talent reden kann, da ich das Fach Englisch in der Schule mit einer 4 abgewählt habe. Würde das jemandem mit Talent passieren? Wohl kaum. Und doch versuche ich inzwischen auf Englisch zu bloggen. Vielleicht mehr schlecht als recht, aber wer keine Fehler macht, lernt auch nicht dazu.

Übrigens kannst Du bereits auf mindestens zwei verschiedene Sprachsysteme zurückgreifen. Du beherrscht in der Regel Deine Muttersprache und Du kommunizierst über die Körpersprache. Hast Du bereits andere Fremdsprachen gelernt, umso besser. Oder Du kannst Programmieren. Auch Computersprachen sind eine spezielle Form der Sprache, die nach bestimmten Regeln funktionieren und gewissermaßen sogar Dialekte besitzen. In meiner Löffelliste, habe ich die Computersprachen aber nicht berücksichtigt.

Also keine weiteren Ausreden…

Auswahlkriterien für mein Projekt X

Die Sprachen auf meiner Löffelliste habe ich unter Einflussnahme verschiedener Kriterien ausgewählt.

  1. Eines meiner „höheren Ziele“ ist es, in möglichst vielen Ländern der Erde mit Menschen kommunizieren zu können.
  2. Des weiteren möchte ich Sprachen aus verschiedenen Sprachfamilien lernen.
  3. Ich finde es spannend Sprachen zu lernen, die in beliebten Backpacker-Ländern gesprochen werden, um anschließend jungen Menschen wie Dir hilfreiche Tipps für ein intensiveres Reiseerlebnis mit auf den Weg geben zu können.
  4. Eine Folge von 1. führt dazu, dass ich einen Großteil der Weltsprachen dabei abdecke.

Die Löffelliste zu Projekt X im Detail

Anhand der Fortschrittsanzeigen kannst Du sehen, wie ich selbst meine eigenen Sprachkenntnisse einstufe. Sie gibt also meinen persönlichen Status zum derzeitigen Zeitpunkt wieder.

Deutsch (1. Muttersprache)95%
95%
Englisch (1. Fremdsprache)75%
75%
Spanisch10%
10%
Französisch5%
5%
Chinesisch30%
30%
Japanisch1%
1%
Vietnamesisch (2. Muttersprache)40%
40%
Indonesisch10%
10%
Thai1%
1%
Arabisch1%
1%

Wenn Du Dir die Anzeige ansiehst, wunderst Du Dich sicherlich, dass viele der Zahlen so klein ausfallen. Schon allein im Deutschen, obwohl es sich dabei um meine 1. Muttersprache handelt. – Aber ist Dein Deutsch wirklich fehlerfrei? Kennst Du jedes einzelne Wort, das es in der deutschen Sprache gibt? Kennst du jeden Fachbegriff, der im deutschen Sprachraum verwendet wird? Genau genommen ist der Wert vielleicht auch noch kleiner. Ich weiß es nicht. Aber 100%?! Wer kann das schon von sich behaupten?

Ähnlich im Englischen. Ich verstehe vieles, kann mich einigermaßen ausdrücken, wobei ich zugeben muss, dass mir immer noch jede Menge Erfahrung in der praktischen Anwendung fehlt. Es könnte immer besser sein, oder nicht? Wie es um meine Englisch-Kenntnisse wirklich bestellt ist, kannst Du selbst herausfinden, indem Du den Blog einfach auf Englisch umstellst. Zugegeben, ich hinke mit den Inhalten stark hinterher. Aber auch das hoffe ich mit der Zeit beheben zu können.

Die Sache mit der 2. Muttersprache

Am schlimmsten finde ich meine persönliche Einschätzung meiner Vietnamesisch-Kenntnisse. Es ist meine 2. Muttersprache, ja. Aber dazu musst Du wissen, dass ich als Scheidungskind meinen Vater schon ab dem Alter von etwa 4 Jahren nur noch alle 2 bis 4 Wochen an den Wochenenden oder während der Ferien gesehen hatte. Dadurch ergibt sich automatisch, dass mir die Übung fehlt.

Andererseits hat sich mein Wortschatz thematisch auch nicht wirklich weiterentwickelt. Das liegt daran, dass – wenn wir uns dann mal gesehen hatten – wir uns nicht gleich auf Themen gestürzt haben, die man als Erwachsener unter Umständen im Smalltalk anschneidet. Und später hielten immer mehr deutsche Worte in unsere Gespräche Einzug. Somit bin ich auf dem Wortschatz eines 8- oder 9-Jährigen stehen geblieben, der sich über die im Alltag gängigen Begriffe nicht wirklich hinausentwickelt hat.

Als in Deutschland aufgewachsener Vietnamesisch-Analphabet war es mir auch nicht ohne Weiteres möglich dem selbst Abhilfe zu leisten. Zumal mir damals auch der Ehrgeiz und das Interesse dazu gefehlt hatten. Das hat sich inzwischen geändert.

Übung und der richtige Wortschatz

Meine Chinesisch-Kenntnisse waren auch schon wesentlich besser. Aber da ich in den letzten Jahren nur wenig geübt habe, sind viele Wörter aus dem aktiven in den passiven Wortschatz gewechselt. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass dies mit ein wenig mehr Übung sehr schnell wieder behoben werden kann.

Du musst auch berücksichtigen, dass Du überhaupt nicht so wahnsinnig viele Worte beherrschen musst, um die erste Unterhaltung führen zu können. So unglaublich es klingen mag, aber mit nur 300 oder 500 Wörtern kannst Du es sehr weit bringen. Wichtig ist dabei nur, welche Wörter Du kannst und über welche Dinge Du Dich gerne unterhalten möchtest. Alles weitere ergibt sich eigentlich von selbst.

 Mit 10 Sprachen durch die Welt reisen – MEGAAA!

Um mir (und Dir) zu verdeutlichen, in welchen Ländern diese 10 Sprachen von einem Großteil der Bevölkerung tatsächlich gesprochen werden oder offiziell als Amtssprache deklariert sind, habe ich diese auf der Weltkarte einmal farblich markiert.

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Dabei finde ich es total spannend, zu wie vielen Ländern man mit so vielen Sprachen eigentlich direkten Zugang erhält. Für mich persönlich ist das allein schon ein Anreiz, mich intensiver mit verschiedenen Sprachen auseinanderzusetzen. Im Gegenzug motivieren mich diese Sprachen wiederum noch mehr zu reisen. Was will man mehr?!

Die erweiterte Löffelliste

Ein Kriterium, das ich in dieser Löffelliste nicht berücksichtigt habe, ist ob das Land eines meiner Reiseziele ist. Da ich aber jetzt noch nicht weiß, welche Länder ich in naher Zukunft noch bereisen werde und wie viel Zeit ich dort verbringe, kann ich natürlich schlecht vorweg die Sprache dazu festlegen. Prinzipiell ist dies aber ein sehr wichtiges Kriterium, das Sprachen für mich interessant macht (sonst hätte ich dieses Thema kaum als Leitlinie für meinen Blog gewählt).

Vielleicht wunderst Du Dich auch, dass z.B. Sprachen wie Khmer und Laotisch nicht in der Liste auftauchen, obwohl ich während meiner Weltreise durch das jeweilige Land komme. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich für jedes dieser Länder jeweils nur etwa 2 Wochen Aufenthalt eingeplant habe und derzeit noch nicht weiß, wie weit ich es in dieser Zeit mit der entsprechenden Sprache bringe. Ein Grundinteresse ist natürlich vorhanden. Dieses wird vielleicht auch noch aus nachfolgender Liste für mich interessanter Sprachen deutlich, welche ich als inoffizielle Erweiterung von Projekt X ansehe.

Khmer, Laotisch, Malaiisch, Kantonesisch, Koreanisch,
Russisch, Finnisch, Norwegisch, Afrikaans, Kiswahili,
Quechua, Fidschi, Maori, Hindi.

Aber schließlich kann ich nicht alles lernen, vor allem nicht alles auf einmal. Von daher versuche ich mich erst einmal so weit wie möglich auf die Löffelliste zu beschränken.

Warum Du Dir auch Deine persönliche Löffelliste erstellen solltest – noch heute!

Eine Löffelliste ist keine Hexerei, Sprachen zu lernen auch nicht. Du musst es nur wollen. Vielleicht hilft Dir gerade eine Löffelliste, Dich an Deine Ziele zu erinnern und Dich zu motivieren am Ball zu bleiben. Je früher Du Deine Ziele definierst, desto besser!

***

Wie sieht es mit deinem Projekt aus? Du hast noch keine Löffelliste? Dann ran ans Vergnügen! Es muss ja nicht gleich ein Projekt X daraus werden. Vielleicht hast Du ein Projekt II oder III in Arbeit. Auch das ist schon Klasse! Schreibe mir doch in die Kommentare, welche Sprachen Du bereits beherrschst, an welchen Du gerade arbeitest und welche Dich noch interessieren. Ich bin wahnsinnig neugierig, was Du Dir vorgenommen hast. Also erzähle mir von Deiner Löffelliste! Ich bin gespannt! 🙂 

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hmmm, Englisch 4 auch hier 🙂 Also hoffnungslos abgetan! Heute schreibe ich laut Aussage von Engländern und Amerikanern nahezu perfekt, verstehe Geschriebenes sehr gut, von neuen Wörtern abgesehen. Gesprochene Sprache verstehe ich relativ gut, abhängig vom Dialekt, aber ich verstehe immerhin „even Scouse“ 😀 Nur mit dem Sprechen hab ich noch wenig Übung und daher Hemmungen. ein England-Besuch ist als Wunsch/Ziel bereits in Planung, allerdings ohne Terminvorgabe. Ich arbeite noch dran, dass das nötige Kleingeld vom Himmel fällt! Eine Freundin als Reiseführerin steht jedenfalls schon (fast) in den Startlöchern, jedenfalls wenn sie aus Australien zurück ist.

    Also – wie habe ich dieses Level an Sprachfertigkeit erlangt? Haltet Euch fest – ich habe Online-Spiele auf internationalen Servern gespielt, mit dem Dictionary daneben, später mit „translate“ als zusätzlichem Fenster. Mit der Zeit kamen dann Facebook-Freunde dazu, englische Original-Lektüre z.B. Bücher der Findhorn-Community, dann Online-Selfhelp stuff und nun eine englischsprachige Community.

    Weitere Sprachziele habe ich derzeit nicht, aber auch mein Reisewunsch ist derzeit (noch) nicht so groß und beschränkt sich derzeit auf Europa, evtl USA, wo ich auch Freunde habe. Aber das wars dann auch erst mal.

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    • Liebe Claudia,

      vielen Dank für Deine Ausführungen. Schön, dass Du dieses Thema ansprichst.

      In vielen Punkten ist es mir da ähnlich ergangen wie Dir. Auch ich habe teilweise Computerspiele auf internationalen Servern gespielt und bin mit Spielern aus aller Welt in Kontakt getreten. Das Umstellen der Systemsprache von Handy oder Computer hat mir ebenfalls weitergeholfen, eine andere Sprache in meine alltägliche Routine einzubauen.

      Ich wollte ohnehin in naher Zukunft einen Artikel in diese Richtung schreiben. Vielleicht finden auf diese Weise auch andere junge Menschen, die sich nicht für die „klassischen“ Sprachkurse interessieren, immer mehr den Anschluss ans Sprachen lernen. Damit möchte ich nicht allgemein zum Dauerzocken aufrufen, sondern vielmehr dazu, die Zeit die man in Spiele investiert dazu zu nutzen, sich nebenbei auch sprachlich zu bilden.

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