Reisebericht Kaikoura – Stadt der Langusten und Walsichtungen

Endlich hatte ich ein eigenes Auto und die große Rundreise durch Neuseeland konnte wahrlich beginnen.

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Die Fahrt von Christchurch vorbei an Kaikoura bis zur Okiwi Bay

Heilfroh für die nächste Zeit in keinem weiteren 8-Bettenzimmer eines Hostels mit unangenehmen Mitbewohnern schlafen zu müssen, verbrachte ich die ersten Tage meiner Reise durch Neuseeland an der Ostküste. Ich machte mich auf dem State Highway SH1 auf den Weg in Richtung Kaikoura, das etwas mehr als 200 km nördlich von Christchurch liegt.

Die erste Fahrt

Da dies die erste längere Strecke mit „Johnny“ – wie ich mein neues Auto taufte – war, hatte ich erstmals die Gelegenheit mich mit dem 1995er Toyota Previa einzufahren. Zum einen musste ich mich nach wie vor an das Fahren auf der linken Straßenseite gewöhnen. Zum anderen wollte ich der Versuchung widerstehen ständig in den nächsten Gang zu schalten und dabei nach der Gangschaltung zu greifen. Diese wäre ohnehin nicht an der Stelle gewesen, an der ich sie üblicherweise erwartet hätte.

Die Fahrt verlief ohne Probleme. Allerdings fing es nach der Hälfte der Strecke zu regnen an und ich musste eine Pause einlegen, weil ich mangels ausreichenden Schlafs in der Nacht zuvor ziemlich müde geworden war. Insgesamt lässt sich die Strecke in drei unterschiedliche Abschnitte unterteilen.

Abwechslungsreiche Landschaft

Zunächst durchquerte ich über einen Großteil der Strecke überwiegend flaches Farmland, auf dem Rinder und hin und wieder Schafe oder sogar Rehe auf den saftigen Weiden gehalten werden. Das Gebiet um Waipara ist zudem vor allem für seine ausgezeichneten Weine bekannt.

Danach folgten teils eng gewundene Serpentinen, die sich durch größere bewaldete Hügel schlängelten. Faszinierend ist dabei, dass in den meisten scharfen Kurven der besser ausgebauten Straßen Neuseelands Angaben zur empfohlenen Geschwindigkeit angeschrieben sind, die sehr hilfreich sind, um die vorausliegende Kurve frühzeitig richtig einschätzen zu können. Du darfst Dich allerdings gerade auf den abgelegenen Strecken in Neuseeland nicht darauf verlassen, dass immer Angaben angebracht sind. Streckenweise kam ich mir vor wie in einer Achterbahn, aber es machte total viel Spaß dort entlangzufahren.

Von einem Moment auf den anderen lichtete sich vor mir der Wald und das hügelige Gebiet öffnete sich einer atemberaubenden Küstenstrecke. Vor mir erstreckte sich das Meer und der frische Duft der See strömte mir mit dem Fahrtwind durch das leicht geöffnete Fenster entgegen. Ich durfte das letzte Stück des Weges an Stränden und kleineren Buchten entlangfahren, die ich auf meiner rechten Seite hinter mir zurückließ, während sich auf der anderen Seite grüne Hügelketten in die Höhe streckten und eine Eisenbahnstrecke mal links, mal rechts von mir und vereinzelt durch kleine Tunnel im hügeligen Gelände an der Küste entlangwand.

Das erste Mal Campen in Neuseeland

Ich war erst verhältnismäßig spät losgekommen, weshalb es bereits zu dämmern begann. Auf Grund dessen passierte ich Kaikoura und fuhr noch etwa weitere 20 km an der Küste entlang weiter nach Norden, wo ich mir an einer Bucht – der Okiwi Bay – bereits einen kleinen Rastplatz für die Nacht ausgesucht hatte. Dieser war allerdings ein wenig versteckt und der Regen hatte an Heftigkeit zugenommen, so dass ich drei Anläufe brauchte, ehe ich ihn in der Dunkelheit fand.

Ich richtete den Campervan für die Nacht her, aß noch eine Kleinigkeit, während ich verträumt dem Prasseln des Regens, dem Säuseln des Windes und dem Rauschen des nahen Meeres zuhörte, und schlief auf Grund des langen Tages und der kurzen Nacht zuvor wie ein Stein bis zum nächsten Morgen durch. Den nächtlichen Zug, der von Zeit zu Zeit am Campingplatz vorbeirauschte hörte ich Dank des tiefen Schlafs und guter Ohrenstöpsel nicht.

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Die Robben-Kolonie an der Okiwi Bay

Am nächsten Morgen erwachte ich bei strahlendem Sonnenschein der das Auto bereits aufheizte. Nach einem schnellen Frühstück erkundete ich die Gegend.

Vom Rastplatz an der Okiwi Bay aus hast Du die Möglichkeit zwischen verschiedenen Routen von unterschiedlicher Dauer und Länge zu wählen. Ich entschied mich für den kürzesten Weg von nur 10 Minuten bis zum Aussichtspunkt, da ich mich viel mehr für die Küste und das Meer interessierte und im Lauf der nächsten Wochen noch zur Genüge weitere Wanderungen auf mich zukommen sollten.

Die Aussicht war wirklich bezaubernd. Vor mir das offene Meer, das in einer Bucht mündete, und hinter mir die grünen Hänge bewaldeter Hügel. Eine sanfte Brise trug den salzigen Duft des Meeres zum Aussichtspunkt und trieb die Wolken vor sich her. Für eine Weile genoss ich die Sonne und begab mich dann wieder auf den Rückweg.

Die Okiwi Bay und seine Kolonien

Wieder unten angekommen überquerte ich Schienen und Straße und eilte zur Bucht. Kiesstrand, Wellen, Meer, eine schöne Aussicht, eine tolle Landschaft um mich herum. Nach der Woche in Christchurch tat mir der Tapetenwechsel gut. Ich holte mein Auto und fuhr zum nächsten Parkplatz einen halben Kilometer weiter nördlich um mir das Spiel der Wellen anzusehen die sich an flachen Klippen brachen und Gischt in die Höhe spritzen ließen. Ein paar Enten und eine Minikolonie Seemöwen hatten sich dort niedergelassen wo ein kleines Flussbett ins Meer mündete jedoch halb ausgetrocknet war.

Wieder ein Stück weiter südwärts traf ich auf die ersten Robben einer größeren Kolonie. Dabei handelte es sich um sogenannte Pelzrobben, die von den Maori kekeno genannt werden und im Englischen fur seals heißen. Die Kolonie hatte sich über eine weite Strecke an der Küste entlang ausgebreitet. Den restlichen Nachmittag verbrachte ich damit, die Robben zu beobachten und ihrem Treiben zu folgen. Ich fuhr lediglich nach ein paar Stunden zu einem weiteren Punkt noch weiter südlich, um eine etwas andere Kulisse um mich herum zu haben.

Die meisten Touristen hielten für 10-15 Minuten, um für ihr Fotoalbum ein paar schnelle Schnappschüsse mit den Geschöpfen zu machen und zogen dann weiter. Ich fand es dagegen viel faszinierender die Tiere etwas näher kennenzulernen und eingehender zu studieren. Es war etwas vollkommen anderes, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung vor sich zu haben, anstatt sie im Zoo in einem eingepferchten Bereich anglotzen zu müssen.

Über Robben…

Auf den ersten Blick schienen sie träge und faul zu sein, denn die meisten lagen einfach nur reglos auf den Felsen herum und ließen sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Aber auf den zweiten Blick war da viel mehr.

Einzelne Robben ließen sich ins Wasser gleiten und gingen auf Fischfang, während andere – zumeist jüngere ihrer Art – einfach nur ein wenig im Wasser herumtollten. Zuweilen trugen junge Bullen spielerische Kämpfe untereinander aus. Sie bereiteten sich auf den Tag vor, an dem sie ihren Platz auf einer der Klippen erobern und sich gegen den dort eingesessenen Altbullen behaupten mussten, wenn sie alt genug geworden waren. Nur wenn es ihnen gelang den Konkurrenten in die Flucht zu schlagen würden sie die neuen Herren der Klippe sein und über ihren eigenen kleinen Harem verfügen.

Auch wenn sie teilweise einen sehr unangenehmen Gestank nach nassem Hund – nur etwa fünfmal so intensiv – verströmten, wohnte ihnen eine gewisse Eleganz inne. Man hätte beinahe neidisch werden können, wenn sie so dalagen. Bei ihnen sah es so aus, als wären die harten, teils spitzen, teils kantigen Felsen weich wie ein Federbett.

…. und ihr Verhalten

Kamen sie von der erfolgreichen Jagd zurück, ließen sie sich mit ihrem nass triefenden Körper auf den Felsen nieder, um ihr Fell trocknen zu lassen. Erst auf der einen, dann auf der anderen Seite. Das feuchte Fell erschien dabei wie eine einheitliche glatte schwarze Oberfläche. Erst wenn es getrocknet war, konnte man einzelne Haare und Borsten ausmachen, die in braunen bis grauschwarzen Tönen schimmerten.

Hin und wieder räkelte sich eines der Tiere, gähnte müde oder putzte sich. Auch wenn die Art der Fortbewegung teils etwas tollpatschig und hilflos aussah, konnten diese Wesen sich über kurze Distanzen durchaus kraftvoll und schnell fortbewegen.

Als Beobachter solltest Du einen gewissen Sicherheitsabstand von etwa 10 m einhalten. Das eine oder andere neugierige Tier traute sich trotzdem von sich aus bis auf wenige Meter an mich heran. Eines der Jungtiere kroch sogar für eine Weile unter mein Auto. Es suchte allerdings das Weite, als ein Touristenpaar sich der Szene näherte.

(Interessierst Du Dich näher für Neuseelands Robben und ihre Verwandten? Hier kannst Du auf den Seiten des Departments Of Conservatory – Te Papa Atawhai weitere Informationen finden. In Neuseeland wird meistens nur die Abkürzung DOC verwendet.)

Der zweite Abend unterwegs

Für den ersten Tag außerhalb von Christchurch hatte ich genug erlebt. Ich begab mich wieder zurück zu meinem Nachtlager an der Okiwi Bay. Dort bereitete ich erstmals eine warme Mahlzeit mit dem Gaskocher zu. Nach dem langen Tag an der frischen Luft hatte ich richtig Hunger bekommen. Ich freute mich auf eine wärmende Suppe, denn gegen Abend war es doch wieder etwas kühl geworden.

Solltest Du jemals auch auf diesem Campingplatz übernachten, wundere Dich nicht, wenn du keinen Empfang mit Deinem Telefon hast. Du kommst sicherlich auch eine Nacht ohne Internet & Co. klar, zumal Du in Neuseeland sicherlich noch in Ecken gelangen wirst, an denen Du mehrere Tage keine Verbindung zur Außenwelt hast.

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Der Ohau Stream Walk

Ehe ich am nächsten Morgen nach Kaikoura aufbrach wollte ich noch einen kurzen Abstecher zum Ohau Stream Walk machen.

Am Parkplatz des Walks konnte ich einen weiteren Teil der Robben-Kolonie in Augenschein nehmen. Viel interessanter fand ich allerdings die beiden Felsen mit den Vogelkolonien darauf. Auf dem einen hatten sich Seemöwen niedergelassen, auf dem anderen eine Kormoran-Art. Letztere wird übrigens in Neuseeland seltener als cormorant, sondern meist als shag bezeichnet. Von den etwa 40 weltweit verbreiteten Kormoran-Arten leben 7 verschiedene Species in Neuseeland. Allerdings bin ich kein Ornithologe und stand zu weit entfernt, um die Art genauer bestimmen zu können.

(Wenn Du Dich näher für diese Vögel interessierst, hier auf den Seiten der Victoria University of Wellington Library wirst Du vielleicht fündig.)

Der Walk ist wirklich nur ein Walk, also ein kurzer morgendlicher Spaziergang. Unter einer Eisenbahnbrücke hindurch an dem kleinen Strom entlang lief ich knapp 10 Minuten. Der Pfad führte mich über eine kleine hölzerne Brücke und endet vor einem kleinen, gemütlichen Wasserfall. Wirklich viel zu sehen gab es allerdings nicht. Auch lädt der Ort mangels geeigneter Sitzgelegenheiten nicht zum langen Verweilen ein. Einen kurzen Besuch war er trotzdem wert.

Nach einem weiteren kurzen Besuch bei den Pelzrobben ging es endlich nach…

… Kaikoura!

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Die Hafenstadt Kaikoura

Der Name des Örtchens Kaikoura geht auf die Sprache der Maori zurück und bedeutet so viel wie „Langusten-Essen“ (kai – Essen, koura – Languste).

Sofern Du es Dir leisten kannst bietet es sich an Dir hier einen derartigen Gaumenschmaus zu gönnen. Immerhin ist der Name Programm. Da ich Fisch und Meeresfrüchte aller Art liebe, konnte ich dieser Versuchung leider nicht widerstehen.

Im zentral gelegenen i-Site-Besucherzentrum von Kaikoura wurde mir der 3- bis 4-stündige Rundweg um die Halbinsel – der Kaikoura Peninsula Walkway – empfohlen. Das kam mir ganz gelegen, denn ich freute mich bereits auf meine erste längere Wanderung in Neuseeland. Direkt beim Besucherzentrum gab es eine kleine Brücke zum nahegelegenen Strand. Die Aussicht von dort aus war super! Auf der linken Seite ragten Berge in die Höhe. Auf der rechten Seite und hinter mir säumten die Häuser von Kaikoura die Küste. Vor mir lag das offene Meer. Dazwischen lag in einem geschwungenen Bogen der Kiesstrand von Kaikoura, auf dem ich gerade stand. Und am Himmel zogen graue Wolken in einem düsteren Grau über mir hinweg.

Es wurde Zeit. Ich wollte das historische Walfängerhaus aufsuchen, das aus dem Gerippe eines Wales gebaut sein soll. Unglücklicherweise war es zu diesem Zeitpunkt nicht geöffnet. Unverrichteter Dinge genoss ich stattdessen nochmals die Aussicht auf die umliegende Landschaft.

Langusten, Muscheln und hinterhältige Diebe

Auf dem Weg zur Kaikoura-Halbinsel fand ich am Wegesrand einen Straßenstand, der für seine Langusten bekannt ist. Neben den begehrten Schalentieren wurden weitere Fischgerichte und andere Meeresfrüchte feilgeboten. Trotz des gesalzenen Preises für die Langusten entschied ich mich für diese Delikatesse. Ich suchte mir eine Hälfte aus und nahm an einem der Tische mit Sonnenschirm Platz.

Ein paar Möwen lauerten auf heruntergefallene Fischreste. Doch nicht nur das. Teilweise waren die Möwen ziemlich dreist. Einer jungen Frau schnappten sie im Flug zwei Jakobsmuscheln vom Teller, als sie mit ihrer Portion vom Stand zu ihrem Tisch lief. Vor Wut ärgerte sie sich so sehr über die Möwen, dass ihr die Tränen kamen. Netterweise erhielt sie nochmal zwei weitere Muscheln dazu und passte dieses Mal besser auf ihren Teller auf.

Auch meine Languste (im Englischen: crayfish) kam nach 15 Minuten. Serviert wurde sie mit einer Portion Reis, etwas Salat und einem Stück Knoblauch-Baguette. Das Fleisch war zart und saftig. Falls Du schon einmal eine Languste gegessen hast, weißt Du dass es eine Weile dauert, bis man alle Teile des Schalentiers aufgeknackt und von seinem weißen Fleisch befreit hat… Es war echt köstlich!

Obwohl der Stand auf den ersten Blick ein wenig behelfsmäßig wirkte, waren die Langusten und sonstigen Speisen exquisit. Trotz des gesalzenen Preises… Das war es wert gewesen!

Die Halbinsel

Gestärkt und beseelt durch das grandiose Essen machte ich mich schließlich auf die Halbinsel zu erkunden. Ich fuhr bis zum Parkplatz am Ende der Straße, wo es einen Parkplatz gab. Von dort aus hatte ich einen guten Einstieg, um den Rundgang um die Halbinsel (im Englischen: peninsula) zu starten.

Ich verbrachte ein paar Minuten am Meer und lief an der Küste über ein steinernes Plateau, das hier und da vom Meer umspült war. Ich bekam fast den Eindruck auf dem Meer laufen zu können, so übergangslos schienen Fels und Wasser ineinander überzugehen. Das lag daran, dass das Meer mit seinen Wellen alles oberflächliche Gestein abgetragen hatte und nur der Teil der knapp über der Meeresoberfläche lag zurückgeblieben war.

Der erste Abschnitt des Kaikoura Peninsula Walkway

Schließlich erklomm ich den Hang und erreichte bereits nach kurzer Zeit den ersten Aussichtspunkt. Von solchen Aussichtspunkten gab es auf der Halbinsel verstreut einige. Mein Weg führte mich an abschüssigen Klippen entlang, bei denen es 30 oder noch mehr Meter in die Tiefe ging. Die Küste am offenen Meer war aus dieser Perspektive atemberaubend schön. Zahlreiche Seevögel hatten sich hier mit ihren Kolonien niedergelassen. Manche von ihnen waren vom Aussterben bedroht.

Ein paar Schritte weiter gab es landeinwärts saftige grüne Wiesen und Felder auf denen Landwirtschaft betrieben wurde. Immer wieder stoße ich auf neue Landschaftsszenen.

Manche Gebiete waren nur eingeschränkt zugänglich, da Fallen für unwillkommene „Raubtiere“ verteilt worden waren. Diese Fallen sollen die Population von Ratten, Mardern und Possums eindämmen, da die Räuber den Erhalt der heimischen Vögel gefährden. Das liegt weniger daran, dass sie die Vögel selbst jagen. Vielmehr plündern sie ihre Nester und verspeisen mit Vorliebe ihre Eier.

Der Weg veränderte sich und führte über private Wiesen, auf denen Rinder weideten. In Neuseeland ist das nichts ungewöhnliches, dass öffentliche Wanderwege durch Privatgelände führen. Der Zugang ist allerdings auch nur so lange möglich wie die Touristen den Privatbesitz angemessen respektieren und sich entsprechend verhalten.

Der Abstieg auf der anderen Seite der Halbinsel eröffnete wieder ein neues Bild. Ich blickte auf die fernen Berge, auf deren Spitzen noch der Schnee lag.

Auf der anderen Seite und wieder zurück

Ein gutes Stück ging es durch einen Teil der Ortschaft Kaikoura. Am Ufer konnte ich die Berge am gegenüberlegenden Ufer bewundern. Mit den malerischen Wolken ergab das ein Traumhaftes Bild.

Dann musste ich wieder über den Hügel zurück auf die andere Seite. Dieses Mal führte mich der Weg durch einen Nadelwald. Über weitere Wiesen und ein Stück geteerte Straße erreichte ich den höchstgelegenen Punkt der Halbinsel. Von hier aus hatte ich einen guten Überblick über die gesamte Landschaft rundherum.

Da ich mir allerdings viel Zeit gelassen hatte und bereits knapp 5 Stunden unterwegs war, wurde es langsam Zeit zu meinem Auto zurückzukehren. Auf dem Weg zum Parkplatz kam ich nochmals an dem Straßenstand mit den Langusten vorbei, der aber inzwischen geschlossen hatte.

(Weiterführende Informationen zum Kaikoura Peninsula Walkway inklusive PDF zum Download findest du hier auf den Seiten des DOC.)

Warum ich keine Walsichttour gemacht habe

Eigentlich ist Kaikoura neben den Langusten für seine Wahlsichttouren bekannt.

Ich persönlich wollte zwar ursprünglich eine derartige Tour mitmachen, habe mich allerdings dann doch dagegen entschieden. Ich finde dass der Preis von $150 recht hoch ist. Die Wahrscheinlichkeit liegt zwar annähernd bei 100 %, dass Du einen oder mehrere Wale sichtest, allerdings besteht das Sichten darin, dass Du vielleicht den Schwanz oder eine Seitenflosse des Tieres zu Gesicht bekommst, aber nie das ganze Tier. Unter Umständen lässt sich der Körper unter der Wasseroberfläche erahnen. Das Glück, dass ein Wal sich mit einem Sprung in die Luft in seiner vollen Größe präsentiert, wirst Du wohl eher selten haben. Für Heli- oder Flugzeugtouren zahlst Du sogar noch mehr und hast wesentlich weniger als 3 Stunden Zeit.

Andererseits war ich durch die Nähe zu den Robben, diese in freier Natur beobachten zu können und sie in ihrer natürlichen Umgebung von Angesicht zu Angesicht zu sehen noch so gesättigt, dass mir die Flossen eines Wales vergleichsweise belanglos vorkamen. Hätte mir jemand angeboten mit einem Wal zu schwimmen oder tauchen zu gehen, ich wäre sofort dabei gewesen…!!!

Rückweg

An einem Spielplatz füllte ich meine Wasservorräte auf, da diese bereits zur Neige gingen. Leider war das Wasser dort gechlort, weshalb ich mir vornahm in Christchurch erneut meine Vorräte aufzufüllen. Ich machte mich auf den Rückweg und nächtigte an einem Rastplatz mitten im Wald. Vermutlich hatte ich Glück, dass ich keinen Strafzettel erhalten hatte, denn ich war mir nicht sicher, ob das Nächtigen dort tatsächlich erlaubt war…

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Falls Du mitbekommen solltest, dass die Walsichtungsfahrten wieder angeboten werden, freue ich mich über eine Nachricht von Dir. Das ermöglicht mir meinen Reisebericht Kaikoura auf den neuesten Stand zu bringen. Lies in meinem nächsten Artikel „Reisebericht Akaroa“ wie es weiterging. 

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Update: Kaikoura nach dem Erdbeben in der Nacht vom 13. auf den 14.11.2016

Nur 3 Tage nachdem ich dieses nette kleine Städtchen hinter mir gelassen hatte, ereignete sich an der Ostküste ein heftiges Erdbeben der Stärke 7,8. Das Zentrum des Erdbebens lag sehr nah an Kaikoura. Ich hatte wohl unsägliches Glück, dass ich nicht nur Kaikoura, sondern auch die Ostküste bereits verlassen hatte. Denn ich befand mich bereits im Zentrum des Insel am Lake Tekapo als sich die Katastrophe ereignete.

Die Menschen an der Ostküste wurden teilweise mehrmals in der Nacht aus ihren Häusern und Unterkünften evakuiert. Teilweise mussten sie noch Schlimmeres erleben. Unterdessen schlief ich ahnungslos in meinem Campervan.

Wegen des Bebens wurden leider viele Häuser in Kaikoura stark beschädigt oder gar dem Erdboden gleichgemacht. Die SH1 war tagelang gesperrt, da sich die Landmassen teilweise um mehrere Meter verschoben hatten. Nur wenige Tage zuvor war ich dort noch entlanggefahren.

Durch die Sperrung waren sowohl die Einwohner der Region als auch die dort verbliebenen Touristen von der Außenwelt abgeschnitten. Sie mussten durch das Militär über den Meereszugang mit Nahrung und Hilfsgütern versorgt werden oder per Helikopter ausgeflogen werden. Doch auch die Versorgung über den Wasserweg war erst möglich, nachdem per Sonar der Meeresgrund neu kartographiert worden war. Das Erdbeben hatte die Topographie des Meeresbodens merklich verändert und die Zufahrt zur Stadt war deutlich erschwert worden.

Für die nächste Zeit wird es von dort aus wohl keine Walsichtungsfahrten mit einem Schiff geben. Wie schnell sich die Stadt von den Folgen der Naturgewalten erholt, bleibt abzusehen.

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Obwohl es nun schon über ein Jahr her ist, dass ich mit meinem Bruder (ebenfalls in einem Toyota) die Nordinsel bereiste, werde ich nicht müde von Neuseeland zu schwärmen! Ich kann die Schönheit der Natur nur schwer in Worte fassen. Als absoluter Tierliebhaber und Naturfreak ist dieses Land wie geschaffen für mich. Wie gern hätte ich, so wie du, Robben (und Kiwis) zu Gesicht bekommen. Na, vielleicht bei der nächsten Neuseelandreise! 🙂

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    • Hallo Bianca,

      da muss ich Dir recht geben! Die Natur ist schon sehr einzigartig in Neuseeland. Ich habe zwar einen Kiwi zu Gesicht bekommen, aber darauf bin ich nicht unbedingt stolz… Das Tier lebt in einem großen Glaskasten bei den Geysiren von Rotorua. Ich habe mir den Vogel auch nur angesehen, weil ich ohnehin Eintritt für den Zugang zu den Geysiren zahlen musste. In freier Wildbahn ist es natürlich auch nicht ganz so einfach den nachtaktiven Zweibeiner zu Gesicht zu bekommen…

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