11 Tipps wie Du auf Reisen eine Sprache üben kannst

Du fragst Dich wie andere Leute es schaffen während ihrer drei- bis vierwöchigen Reise eine andere Sprache (teilweise) zu lernen? Du suchst nach Möglichkeiten eine Sprache im Ausland anwenden zu können, um sie zu üben und zu verbessern? Schließlich soll die Liebesmüh Vokabeln, Satzkonstruktionen und andere grammatikalische Leckerbissen gelernt zu haben nicht vergebens gewesen sein, oder? Vielleicht bist Du ein absoluter Sprachneuling und weißt nicht wie Du in Situationen kommst, bei denen Du eine Sprache lernen kannst. In meinem Artikel 11 Tipps wie Du auf Reisen eine Sprache üben kannst zeige ich Dir Möglichkeiten auf wie Du eine Sprache unterwegs auf Reisen gezielt einsetzen kannst und gleichzeitig Gelegenheit hast sie zu üben und zu verbessern.

Auf Reisen eine Sprache üben – aber wie?

Sprachen unterwegs zu üben ist wirklich nicht schwer. Rate mal was in der Regel das größte Hindernis ist, das Dich davon abhält es einfach zu tun. – Das bist Du! Ja, im Ernst! Sei doch mal ehrlich, wenn ich Dir gleich sage, wann, wie und wo Du eine Sprache üben kannst, wirst Du Dir insgeheim denken, klar, eigentlich logisch, aber… Aber traust Du Dich auch?

Ich kenne dieses Gefühl aus eigener Erfahrung. Das erste Mal in einem anderen Land, dessen Sprache ich nicht beherrsche, womöglich auch noch allein unterwegs. Deutsch versteht mein Gegenüber definitiv nicht! Hm, gut, ein paar Brocken habe ich kurz vor der Reise und im Flugzeug auf dem Weg hierher gelernt, also warum nicht anwenden!? Ich schaue mir mein Gegenüber an und denke mir, aber was ist wenn…? Und plötzlich bin ich mir unsicher. Was ist wenn er mich nicht versteht? Lacht er mich aus? Wird er wütend, weil ich ihn ungewollt beschimpft habe, nur weil ich ein Wort falsch ausgesprochen habe und es dadurch eine andere Bedeutung erhalten hat? – Ja, solche Fragen schießen einem zu Anfang manchmal durch den Kopf. Man traut sich nicht und dann macht man es sich leicht: Es gibt ja immer noch Englisch, den Retter in der Not!

Ist das wirklich so? In hochtouristischen Gegenden mag das der Fall sein. Verirrst Du Dich aber ins Hinterland abseits der touristisch ausgetretenen Pfade, wirst Du seltener auf Menschen treffen, die der englischen Sprache mächtig sind. Hier lohnt es sich umso mehr, wenn Du jede Gelegenheit am Schopfe packst und eine Sprache übst. Denn in solchen Regionen bist Du unter Umständen auf Deine eigenen Sprachkenntnisse angewiesen, wenn Du nicht in der (un-)glücklichen Lage bist einen Dolmetscher bei Dir zu haben. Unglücklich deswegen, weil der Mensch erfahrungsgemäß faul wird, wenn er nicht gezwungen ist eine andere Sprache zu sprechen. Dann lernst Du auch nichts dazu.

Eine Sprache zu üben hängt weder vom eigenen Kenntnisstand noch von der Schwierigkeit der Sprache ab

Es ist völlig ohne Belang ob du blutiger Anfänger bist oder eine Sprache schon seit mehreren Jahren lernst, Dir aber zu unsicher bist sie anzuwenden. Schließlich musst Du dabei aus Deiner Komfortzone, also Deiner Dir vertrauten Muttersprache, heraustreten. Es kommt nicht darauf an, wie gut Du eine Sprache sprichst, sondern darauf, dass Du gewillt bist sie anzuwenden. Der gute Wille allein zählt schon und öffnet Dir die Herzen der Einheimischen. Und nicht nur das. Zur Belohnung öffnen sich Dir auch zusätzliche Türen und Tore, die Dir ein ganz neues Gefühl des Reisens vermitteln. Du wirst Dinge erleben, die Du ohne die Anwendung der regionalen Sprache mit Sicherheit nicht erlebst.

Es kommt nicht darauf an wie kompliziert eine Sprache ist oder wie schwer es ist sie zu lernen. Es macht also keinen Unterschied, ob Du für uns leichter zugängliche Sprachen wie Englisch, Spanisch oder Französisch lernst, oder ob es sich um komplexere Sprachen wie Sprachen aus dem osteuropäischen oder dem asiatischen Raum handelt. Beispielsweise weisen viele osteuropäische Sprachen zusätzliche Fallunterscheidungen auf oder asiatische Sprachen wie Chinesisch, Japanisch oder Thailändisch neben einer vollkommen abweichenden Grammatik eine anders geartete Schrift. Es könnte sich genauso gut um Indonesisch handeln, die mitunter zu den am einfachsten zu lernenden Sprachen der Welt gehört, oder um Vietnamesisch, bei welcher der Einstieg vor allem durch die 6 verschiedenen Betonungsmöglichkeiten nicht sehr leicht ist.

10+1 Gelegenheiten eine Sprache üben zu können

#01 – Im Fluge eine Sprache üben – Sei höflich und äußere Wünsche

Je nach Reiseland und gewählter Fluggesellschaft bietet sich bereits während der Anreise die erste Möglichkeit eine Sprache anzuwenden. Klar, üblicherweise sind Stewardessen angewiesen internationale Reisende in einer ihnen vertrauten Sprache – also in Deinem Fall für gewöhnlich Deutsch oder Englisch – anzusprechen. Aber bei bestimmten regionalen Fluglinien und teilweise auf internationalen Flügen kannst Du gegenüber dem Flugpersonal durchaus gängige Höflichkeitsfloskeln wie „Guten Tag“, „Bitte“, „Danke“ oder auch die Wahl Deiner Verpflegung wie „Huhn“, „Reis“, „Nudeln“ oder „vegetarisch“ in der entsprechenden Sprache äußern.

#02 – Taxifahrer und andere Transporteure – Lass Dich zu Deiner Unterkunft fahren

Du musst noch nicht mal richtig an Deinem Reiseziel angekommen sein und es bietet sich die nächste Gelegenheit die Sprache zu sprechen. Egal ob Du mit dem Taxi, dem Bus oder einer Rikscha vom Flughafen zur Unterkunft fährst, Dein nächster Gesprächspartner sitzt am Steuer und wartet nur darauf sich mit Dir zu unterhalten. Gut, vielleicht nicht jeder Fahrer. Aber zum einen musst Du ohnehin jemanden bitten Dich zu Deiner Unterkunft zu fahren, zum anderen kannst Du das genauso in der regionalen Sprache tun. Zudem gibt es so einige neugierige Transporteure. Lass Dir die Chance also nicht entgehen Dich auf ein Gespräch einzulassen. Manch einer hat unter Umständen sogar einen kleinen Geheimtipp für Dich auf Lager.

Pass aber auf, dass Du Dich in bestimmten Ländern nicht von einem zwielichtigen Fahrer mit undurchsichtigen Absichten über den Tisch ziehen lässt. Halte Dich dabei daran nur die Dienste von seriösen Unternehmen in Anspruch zu nehmen.

Rikschafahrer in Yogya

#03 – Die Belegschaft in Deiner Unterkunft – Lass Dir etwas zeigen

Hast Du Deine Unterkunft erreicht und Dich von der Anreise ein wenig erholt, solltest Du Deine Unterkunft ein wenig näher inspizieren. Bist Du bei einer Gastfamilie untergebracht, wechsle ein paar Worte in ihrer Sprache. Lass Dir beispielsweise alles zeigen oder stell Dich ihnen etwas besser vor. Erzähle etwas über Dich. Bist Du in einem Hotel oder in einer anderen Unterkunft mit Bediensteten untergebracht, verwickle diese in ein Gespräch, indem Du nach den Angeboten vor Ort fragst. Gibt es ein Restaurant oder einen Freizeitbereich?

#04 – Hostel-Bekanntschaften mit Einheimischen – Stell Dich vor oder frage nach einem guten Lokal

Bist du stattdessen in einem Hostel untergebracht, kannst Du neben den Angestellten an der Rezeption oder der Bar auch Leute aus der Region ansprechen, die ebenfalls das Hostel als Unterkunft gebucht haben. So kannst Du direkt einen ersten Kontakt zu Einheimischen des Landes knüpfen und vielleicht den einen oder anderen Tipp fürs Tagesprogramm abgreifen. Stell Dich doch persönlich vor und frag nach einem guten Restaurant oder einer tollen Bar in der Stadt oder noch besser gleich in der näheren Umgebung. Kann Dir der Gast nicht weiterhelfen, weiß sicher der Hostel-Angestellte weiter. Mit etwas Glück schließt er sich Dir an und leistet Dir Gesellschaft.

#05 – Bars, Restaurants und Straßenküchen – Bestelle Essen und Getränke

Mit dem Tipp aus Deiner Unterkunft kannst Du endlich Deinen Hunger stillen gehen und den Kellner, Barkeeper oder Besitzer der gewählten Lokalität ansprechen. Eine Sprache üben lässt sich in Bars, Restaurants und Straßenküchen vermutlich am einfachsten umsetzen. Bei Kellnern kannst Du Deine Bestellung in der Landessprache aufgeben und Barkeeper sind in der Regel leicht in ein Gespräch zu verwickeln. Genauso gut funktioniert das auch mit Inhabern von kleinen Garküchen oder Ständen auf der Straße. Vor allem sind sie immer auf dem neuesten Stand und eine wahre Fundgrube für nützliche Tipps und Informationen rund um die Region. Gibt es ein spannendes Event oder etwas Sehenswertes in der Nähe, verraten sie es Dir bestimmt.

Alte Frau bietet Curry aus ihrer Straßenküche an

#06 – Tourguides – Schaffe eine Win-win-Situation durch gegenseitigen Sprachaustausch

Wer sich ein wenig für Kultur und dergleichen interessiert, wird früher oder später auf einen Tourguide stoßen, der einen für ein paar Stunden oder vielleicht sogar für mehrere Tage begleitet. Das sind die idealen Gesprächspartner, da sie zum einen mit besseren Englischkenntnissen aufwarten können als der Durchschnitt der Bevölkerung und zum anderen in der Regel kontaktfreudig sind. Sie lassen sich von daher leicht in Gespräche verwickeln, so dass Du die Sprache üben kannst und mehr über kulturelle Hintergründe erfährst. Vor allem sehen sie es oftmals als gegenseitigen Austausch und nutzen die Gelegenheit selbst die englische Sprache üben zu können und somit ihre eigenen Sprachfertigkeiten zu verbessern. Ihr habt eine Win-win-Situation und profitiert gegenseitig voneinander.

#07 – Verkäufer im Supermarkt, an Straßenständen und auf dem Markt – Kaufe ein wie ein Einheimischer

Auch wenn es normalerweise andersrum läuft, kannst Du den Spieß umdrehen und Verkäufer zu Deinen Opfern machen, damit Du die Sprache üben kannst. Die Verkäufer an Straßenständen und auf dem Markt wollen etwas loswerden, daher freuen sie sich umso mehr, wenn Du mit ihnen sprichst, in der Hoffnung dass Du etwas bei ihnen kaufst. Hast du nicht wirklich die Absicht etwas zu kaufen, pass auf dass Du Dich im Laufe des Gesprächs nicht um den Finger wickeln lässt und mit vollen Taschen aber geleerter Geldbörse den Heimweg antrittst. Im Supermarkt oder anderen Läden ist die Voraussetzung zwar nicht so gut wie auf dem Markt, aber selbst da lassen sich Gespräche durch Fragen nach bestimmten Dingen anleiern. Sprichst du die regionale Sprache, ist die Bereitschaft Dir zu helfen bei den Angestellten vermutlich gleich ein wenig höher.

#08 – Kurslehrer – Baue eine freundschaftliche Beziehung auf

Wer sich auf seiner Reise nicht nur am Strand die Sonne auf den Bauch scheinen lässt, sondern darüberhinaus etwas erleben will, kommt kaum drum herum während des Aufenthalts den einen oder andern Kurs zu buchen. Ob es sich dabei um einen Kochkurs, ein sportliches Angebot oder um andere kulturelle Freizeitaktivitäten handelt ist dabei nicht von Belang. Das Wichtigste dabei: Du bekommst erneut die Gelegenheit die Sprache üben zu können, sofern Dein Kurslehrer nicht auch zugewandert oder nur temporär dort tätig ist. Wer sich die Zeit nimmt und mit seinen Tutoren auch auf persönlicher Ebene auseinandersetzt kann von einem regen Sprachaustausch profitieren. Unter Umständen findest Du eine Freundschaft fürs Leben.

#09 – Einheimische, die an den gleichen Kursen oder Führungen teilnehmen wie Du – Baue Hemmungen ab

Hast Du doch das Pech, dass Dein Kurslehrer selbst kein Einheimischer ist, hast Du dafür eventuell das Glück, dass andere Einwohner des Landes den gleichen Kurs besuchen. Gerade in Kursen, bei denen Interaktion mit anderen Menschen gefragt ist, ergeben sich die besten Gelegenheiten einen Gesprächspartner zu finden um die Sprache üben zu können. Womöglich entspannt das sogar die Atmosphäre, wenn der Einheimische merkt, dass Du bemüht bist seine Sprache zu sprechen.

#10 – Zufällige Bekanntschaften mit Einheimischen – Sei offen für spontane Begegnungen im Alltag, stelle viele Fragen

Anhand der vorangehenden Punkte hast Du sicherlich bemerkt, dass ich Dir im Grunde genommen viele Gelegenheiten aus dem Reise-Alltag aufgezählt habe, bei denen Du als Reisender zwangsweise in Kontakt mit Einheimischen kommst. Ergreifst Du jeweils die Chancen, die sich für Dich auftun, ist Deine Reise von spontanen Begegnungen mit potenziellen Sprachpartnern nur so gespickt. Nutze zufällige Bekanntschaften mit Einheimischen. Trau Dich und frage nach dem Weg. Sei offen und geh auf Leute zu. Du musst dabei jedoch aufpassen, dass Du Dich an die entsprechenden Verhaltensregeln des Landes hältst.

Auch Kontaktaufnahmen gegenüber dem anderen Geschlecht können heikel sein und unter Umständen falsch interpretiert werden. Als Mann kann es Dir passieren, dass Dir Deine Offenheit als plumpe Anmache ausgelegt wird. Als Frau hinterlässt Du womöglich den Eindruck, dass Du leicht zu haben bist. Also lass eine gewisse Vorsicht walten und überlege Dir trotz allem gut, wen Du ansprichst und um wen Du einen Bogen machst. Bist Du über die Normen des Landes nicht ausreichend informiert, geh lieber auf Nummer sicher und halte Dich an Dein eigenes Geschlecht.

#11 – Der Jackpot

Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Gelegenheit zustande kommt, ist wohl verschwindend gering. Da es aber gleichzeitig die beste Gelegenheit überhaupt ist eine Sprache zu üben und somit wie ein 6er im Lotto, möchte ich ihn Dir nicht vorenthalten.

Nehmen wir einmal an, Du verliebst Dich in eine oder einen Einheimischen. Das ist zwar beziehungstechnisch etwas kompliziert (und vielleicht nicht der ideale Start, weil wenn es zukunftsträchtig sein soll so einiger organisatorischer Aufwand dahintersteckt), aber das ist für mich in diesem Zusammenhang vollkommen egal, denn sprachtechnisch ist es wie Geburtstag, Ostern und Weihnachten gleichzeitig!

Zwar mag es vor allem am Anfang größere Schwierigkeiten in der Kommunikation geben und Möglichkeiten die Sprache üben zu können halten sich in Grenzen, doch versteht man sich bekanntlich gerade am Anfang auch ohne Worte ganz gut… Zudem und was noch viel wichtiger ist: Deine Motivation diese Sprache zu üben ist so ungemein hoch, dass Du garantiert in keiner anderen Situation derart ambitioniert und lernwillig ans Werk gehst wie in diesem Fall. Gehörst Du zu diesen seltenen Fällen, kann ich Dich – zumindest aus einer Perspektive heraus – nur beglückwünschen! Für Ratschläge in Sachen Beziehung fühle ich mich allerdings nicht zuständig!

 

Ich hoffe, ich konnte Dir mit diesem Artikel ein wenig die Augen öffnen und Dich für Gelegenheiten sensibilisieren eine Sprache anzuwenden und zu üben. Vielleicht kannst auch Du nach Deiner nächsten Reise von Dir behaupten, dass Du eine Sprache (teilweise) gelernt oder zumindest angewandt hast.

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Du suchst überhaupt erst einmal nach Gründen, warum Du eine andere Sprache lernen solltest? Dann schau doch mal in meinen Artikel: Warum Du eine neue Fremdsprache lernen solltest.

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